Prüfungen mit Morbus Crohn
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22. Juni 2022
Ich bin generell kein Prüfungsmensch. Ich hatte zwar nie Probleme eine Prüfung zu Bestehen - egal ob unerwarteter Test, Klausur, Führerscheinprüfung und was es noch so alles gab oder auch noch geben wird - aber die Ganze Vorbereitung, das Lernen, der Druck, sprich die Stresssituation vor einer Prüfung sind für mich die Hölle.
In der Schulzeit und auch beim Studium war es eigentlich am "schlimmsten". Es gab kaum eine Klassenarbeit oder Klausur, wo ich nicht wertvolle Zeit auf der Toilette verbrachte. I.d.R. war es auch nie ein Problem auf Toilette gehen zu dürfen - wobei einmal bin ich tatsächlich nach kurzer Diskussion mit einer Lehrerin quasi einfach auf die Toilette gegangen. Trotzdem ist es für mich essentiell bei der Ankunft an einem (neuen) Prüfungsort erst einmal den Standort des WCs zu ermitteln und gleichzeitig den besten Weg dort hin. Denn dieser Weg bestimmt auch meinen Sitzplatz mit. So hatte ich es einmal, dass ich den Ort nicht genau wusste und dadurch ziemlich rennen musste... Häufig war es zum Glück so, dass wenn ich das "Geschäft" bereits vor dem Prüfungsstart erledigt hatte, ich dann auch entspannter in die Prüfung ging - die ersten Sachen zu schreiben, hatten meist zu einer Fokussierung und "Entspannung" gesorgt. Aber was war, wenn die "Vorbereitung" nicht geklappt hat, sondern erst beim Schreiben der Prüfung anfängt, weil es nicht so läuft wie man will? Nun, dann hieß es wertvolle Prüfungszeit für den Toilettengang zu opfern. Fast immer war danach Ruhe und ich konnte die Prüfung durchziehen. Deswegen war es auch irgendwie ein Ritual in den Anfangsminuten auf Toilette zu gehen. Tatsächlich war es einmal in der Schulzeit vorgekommen, dass ich von Schulkameraden auf meine regelmäßigen Toilettengänge während Tests angesprochen wurde und ich das dann zum Schummeln nutzen würde. Das hatte ich beim besten Willen nicht nötig und hatte ich auch klar so kommuniziert. Gleichzeitig war ich auch offen und habe immer versucht zu erklären warum dies so ist (Morbus Crohn - chronische Darmentzündung usw.).
Das Recht auf Toilette zu gehen, darf dir keiner nehmen! Also geh! Bei Zweifeln spreche im vorhinein mit der Aufsichtsperson, dem Prüfer oder einer verantwortlichen Person, wo du auch einfach nur Fragen kannst wie die Regeln für den Gang zur Toilette sind (da sind wir wieder beim Thema offener Umgang mit der Krankheit). Häufig kommt dann "einfach still rausgehen". Ansonsten wird man irgendwann souveräner mit dem Umgang und auch generell entspannter, da der Mensch ja ein Gewohnheitstier ist. Allerdings hat das bei mir auch sehr lange gedauert (ab Oberstufe wurde der Gang selbstbewusster und selbstverständlicher - ab Studium war es dann souverän).
Was hat mir letztendlich bei all meinen Prüfungen geholfen?
- eine gute Vorbereitung
- Lernen, vorbereitet sein - ohne ein gutes Gefühl zu haben, dass man keine "Angst" vor der Prüfung haben muss, war für mich ein Grundvoraussetzung - auch wenn das nicht immer leicht war/ist.
- Wissen wo der WC ist
- Am Ort der Prüfung schauen wo die Toilette ist und wie ich am schnellsten dort hinkomme (in der Berufsschule musste ich tatsächlich mal Rennen, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren).
- Sitzplatz mit bedacht wählen (wenn möglich)
- Ich habe versucht mir immer einen Sitzplatz am Rand zu suchen, um möglichst schnell und einfach "rauszukommen".
- überliste deinen Kopf
- Für mich war es quasi zum Ritual geworden, dass ich vor Prüfungen Bachblüten-Bonbons lutschte. Diese waren zur Beruhigung. Ob die jetzt wirklich wirkten oder es einfach nur Kopfsache war, war mit letztendlich egal. Hauptsache ich war für mich beruhigter / ausgeglichener / entspannter.
- vertraue auf deine Stärken / vertraue deinem Können
- Sei selbstbewusst und vertraue auf deine Stärken und dein Können. Sage zu dir selbst: "Du schaffst das!"
- auf die Ernährung achten
- Das man vorher nichts essen sollte, was man nicht verträgt, sollte klar sein. Ich beispielsweise habe sehr häufig direkt vor einer Prüfung überhaupt nichts gegessen. Das ist auch nicht gut und je später die Prüfung war, desto schwerer war das natürlich. Deswegen bewusst und zielgerichtet essen, ggf. (wenn erlaubt) das Essen mit in die Prüfung nehmen.
