Der offene Umgang mit seiner Krankheit
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31. Januar 2023
Wenn man krank ist, z.B. mit einer Erkältung, hat niemand ein Problem damit sich krank zu melden und zu sagen was man hat. Das sieht allerdings schon anders aus, wenn man häufiger krank ist und sich dementsprechend auch häufiger krank melden muss. Das Getuschel geht los - "warum ist der/die so oft krank?", "macht er wieder Urlaub auf krank" usw. - und es wird immer unangehmer. Was macht man jetzt? Nennt man offen die Gründe, hülle ich mich weiterhin in Schweigen oder flüchte ich einfach?
Der offene Umgang mit seiner (chronischen) Krankheit steht zur Debatte. Erfahre ich Verständnis oder Mitleid, wenn ich es jetzt preisgebe? Ist es Stärke oder Schwäche? Oder muss ich mir wieder Sprüche anhören, wie "jetzt verschafft er/sie sich wieder einen Vorteil". Ich finde, dass es von Stärke zeigt, wenn man offen mit seine Krankheit umgeht. Ich selbst habe bereits in meiner Jugend gelernt, dass Offenheit bei meinem Morbus Crohn hilft. Es gab mir Sicherheit bzgl. dem Verständnis Anderer für meine Toilettengänge oder schlechten Tage. Trotzdem habe ich versucht mir nie Vorteile dadurch zu schaffen, z.B. während meinem Studium mehr Zeit bei Klausuren zu erhalten. Zurückblickend würde ich heute sagen, war das ein falscher Stolz, denn ich hätte mir einiges an persönlichen Stress ersparen können.
Es gibt aber auch Fälle, wo der offene Umgang mit der Krankheit das eigene Leben schützen bzw. retten kann, z.B. wenn man unter Epilepsie oder Diabetes leidet. Leider ist anders Sein oder wie man heute so schön sagt "Diversität" noch nicht überall angekommen. Darum ist es wichtig, dass man generell über das Thema "offener Umgang mit seiner Krankheit" spricht und Mut macht. Betroffenen Verständnis entgegenbringt, aber auch zugleich vertraut, dass sie für sich das richtige tun. Denn zwingen kann man niemanden. Ich finde es gut und wichtig, wenn dann gerade bekannte Personen als Vorbilder fungieren und offen mit ihrer Krankheit umgehen, denn schämen oder sogar verstecken muss man sich damit mit Sicherheit nicht! Insbesondere junge Menschen sollten sich frühzeitig mit der Offenheit auseinandersetzen, um sich nicht ihr ganzen Leben mit einer eigentlich unnötigen Belastung plagen. Denn wie heißt so schön: "Melden macht frei!"
Nun möchte ich noch ein paar wenige Beispiele geben, wo Personen offen mit ihrer Krankheit umgehen/umgingen:
- Alexander Zverev (Tennis-Profi): Diabetes Typ 1 seit er 4 Jahre alt ist - Kicker (06.08.2022), Zverev veröffentlicht Diabetes-Erkrankung und gründet Stiftung
- Friederike Rehkämper (geb. Möhlenkamp; ehemalige Leichtathletin und Teilnehmerin der olympischen Spiele 2016): Morbus Crohn (Friederike Rehkämper, Bauchredner 2/2021: "Erfahrungsbericht - Leistungssport auf Weltklasseniveau trotz Morbus Crohn")
- Barbara Prescher (Vorständin bei BITMARCK): Morbus Crohn - Karriere trotz eines künstlichen Darmausgangs
- Steven Hawking (Physiker; verstorben 2018): lebte über 50 Jahre mit ALS
- Keira Knightley (Schauspielerin): Legasthenie
Abschließend möchte ich nochmals auf meine älteren Beiträge Erfahrungen mit Morbus Crohn und Akzeptanz von Morbus Crohn hinweisen, die diese Thematik auch betrachten. Also man merkt, mir ist das Thema Offenheit bzw. Umgang mit der Krankheit wichtig. Beim nächsten Mal möchte ich das in diesem Beitrag thematisierte weiter vertiefen mit dem Thema "Arbeiten und Morbus Crohn".
