Die Nachteile mit Morbus Crohn - auch obwohl man fit ist (Teil 1)
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30. Juni 2024
Heutzutage sind Begriffe wie Diversität, Gleichberechtigung bzw. Gleichbehandlung oder Inklusion in aller Munde. Große Unternehmen bzw. Konzerne, wie beispielsweise die Deutsche Bahn (vgl. DB - Diversity Dimensionen), haben sich darauf fokussiert und extra Abteilungen zur Förderung aufgebaut, aber auch die Bundesrepublik Deutschland hat mit der Antidiskriminierungsstelle des Bundes vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend eine eigene Abteilung für das Thema ins Leben gerufen. Hier findet man auch einen separaten Bereich für Behinderung / chronische Krankheiten, wo man direkt darauf aufmerksam gemacht wird, dass jeder sechste in Deutschland lebende Mensch eine "Schwerbehinderung oder eine chronische Krankheit" hat. Hier beginnt aber auch das Problem, dass mit unterschiedlichem Maß gemessen wird. Ohne Frage gibt es schlimmere bzw. schlimme Krankheiten und Behinderungen, die einen Menschen immens einschränken und eine hohe Belastung für die Personen selbst und die Angehörigen sein kann. Man kann sich nur fragen, warum jemand der schon lange Zeit im Rollstuhl sitzt und eine klare Diagnose hat immer wieder Einsprüche einlegen muss um einen wirklich einfachen Antrag durchzubekommen. Ebenso warum kann eine einzige Person, die eine chronisch kranke Person noch nie gesehen hat, entscheiden, wie sehr man in seinem Leben beeinträchtigt ist. Man könnte noch etliche weitere Beispiele nennen, wo man nur den Kopf schütteln kann. Klar ist auch, dass es solchen Menschen woanders vielleicht noch schlechter gehen könnte. Trotzdem fühlt es sich nicht fair an, da man ja sowieso schon gefühlt mit der Krankheit selbst "bestraft" wurde.
In den Anfangsjahren mit meinen Morbus Crohn - also als ich noch ein Kind war - hatte ich einen schwerstbehinderten Ausweis mit einem Grad der Behinderung von 50%. Als ich 18 wurde ist dieser abgelaufen und musste neu beantragt werden. Da es mir gut ging, war dieses Unterfangen ausgeschlossen. Als ich dann nach meiner Ausbildung einen erneuten Schub hatte und mehrere Wochen im Krankenahaus lag - quasi exakt identischen Verlauf wie beim ersten Mal. Als es mir wieder besser ging, habe ich einen erneuten Antrag gestellt und siehe da jetzt hat man mir nur noch einen Grad der Behinderung von 30% eingeräumt. Alles verlief nur in Schriftform... Das war mein erstes persönliches Erlebnis, wo ich Unverständnis für eine solche Entscheidung hatte bzw. selbst eine solche erfahren hatte, wie es sehr wahrscheinlich viele andere Menschen schon viele häufiger erfahren mussten.
Ich persönlich habe heute das Glück, dass ich meinen Morbus Crohn sehr gut im Griff habe - meine betroffene Stelle sieht bis auf ein paar Narben wie die eines gesunden Menschen aus (siehe auch meinen Beitrag Meine regelmäßige Untersuchungen bei meinem Morbus Crohn vom 30.03.2024). Mit diesem positiven Ergebnis und weil ich bereits seit über 10 Jahre beschwerdefrei bin, habe ich jetzt einen erneuten Anlauf genommen um eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. In den Anfangsjahren meiner Ausbildung wollte ich schon mal eine abschließen und auch nochmal nach dem ich ausgelernt hatte (also nach meiner Ausbildung und meine dualen Studium). Damals bin ich krachend gescheitert und nur mit dem Begriff Morbus Crohn abgelehnt worden. Jetzt waren meine Voraussetzungen andere. Ich bin erfahrener im Thema Versicherungen und habe das Ganze jetzt mit einem freien Makler versucht, der erst einmal basierend auf meinen Angaben anonymisierte Anfragen bei vielen verschiedenen Versicherer gestellt hat. Ein Zwischenstand waren viele Absagen... am Dienstag steht der nächste Termin mit dem Makler an, um die Ergebnisse und das weitere Vorgehen zu besprechen. Ich bin gespannt...
Aber dieses Prozedere zeigt mir, dass sobald du in eine Schublade gesteckt wirst es so ziemlich unmöglich ist aus dieser Schublade wieder herauszukommen. Dabei geht es mir wirklich gut und ich bin seit Jahren nicht wegen meinem Morbus Crohn arbeitsunfähig gewesen. Ich konnte Fußball im Verein spielen, ehrenamtlich als stellvertrender Wehrführer seit nun fast 10 Jahren tätig sein und nun bald auch das Amt des Ortsbürgermeisters von Weinähr begleiten, ABER für z.B. eine Versicherung bin einfach nur ein Morbus Crohn Kranker.
Ich frage mich: Ist das fair?
Ich denke nicht, aber mal schauen, vll. werden ich am Dienstag doch positiv überrascht. Ich werde auf jeden dieses Thema noch ein wenig weiter reflektieren und davon berichten, weshalb heute das der erste Teil von - ich weiß noch nicht genau wie vielen Teilen - einer kleinen Serie sein wird.
